Um wesentliche Auswirkungen, Risiken und Chancen (IROs) der NORMA Group zu identifizieren, wurde im Rahmen der nichtfinanziellen Konzernerklärung für das Geschäftsjahr 2025 die initial durchgeführte Wesentlichkeitsanalyse aus dem Geschäftsjahr 2024 gemäß den Europäischen Standards für Nachhaltigkeitsberichterstattung (ESRS) aktualisiert. Im Folgenden wird das Vorgehen erläutert. Die konsolidierten Ergebnisse der Wesentlichkeitsanalyse befinden sich im Kapitel WESENTLICHE AUSWIRKUNGEN, RISIKEN UND CHANCEN UND IHR ZUSAMMENSPIEL MIT DER GESCHÄFTSSTRATEGIE (SBM-3). Hierbei wurden auch die Ergebnisse aus den Klimarisiko- und Vulnerabilitätsanalysen aus dem Geschäftsjahr 2024 sowie die Risiken aus dem bestehenden finanziellen Risikomanagementsystem berücksichtigt.

Durchführung der Wesentlichkeitsanalyse

Die Identifizierung und Bewertung der wesentlichen Auswirkungen, Risiken und Chancen (IROs) der NORMA Group erfolgte gemäß der in ESRS 1 beschriebenen Methodik zur doppelten Wesentlichkeitsanalyse. Bei der Bestimmung der relevanten Nachhaltigkeitsthemen wurden zwei Perspektiven berücksichtigt: zum einen die Auswirkungen der Geschäftstätigkeit der NORMA Group auf Menschen und Umwelt (Inside-out) und zum anderen die finanziellen Risiken und Chancen für die NORMA Group, die sich aus Nachhaltigkeitsaspekten ergeben (Outside-in). Zur Identifizierung wesentlicher Auswirkungen, Risiken und Chancen hat die NORMA Group die im Geschäftsjahr 2024 durchgeführte Wesentlichkeitsanalyse gemäß den ESRS für das Geschäftsjahr 2025 aktualisiert. Die konsolidierten Ergebnisse sind im Kapitel WESENTLICHE AUSWIRKUNGEN, RISIKEN UND CHANCEN UND IHR ZUSAMMENSPIEL MIT DER GESCHÄFTSSTRATEGIE (SBM-3) dargestellt.

Die Analyse basierte auf dem Prinzip der doppelten Wesentlichkeit und umfasste den gesamten Konsolidierungskreis der NORMA Group. Insbesondere bei der Identifizierung wesentlicher Auswirkungen, Risiken und Chancen im Zusammenhang mit der Unternehmensführung berücksichtigte die NORMA Group ebenfalls den gesamten Konsolidierungskreis.

Im Rahmen des Prozesses zur Identifizierung und Bewertung der IROs wurden alle Geschäftsbereiche und Tätigkeiten der NORMA Group berücksichtigt. Die wesentlichen Themen wurden dabei den relevanten Wertschöpfungsstufen zugeordnet. Aufgrund des homogenen Geschäftsmodells und vergleichbaren Risikoprofils erfolgte keine Disaggregation beispielsweise nach Geschäftseinheiten oder geografischen Regionen. Für die Identifizierung und Bewertung von IROs hat die NORMA Group interne und externe Stakeholder herangezogen. So sollte sichergestellt werden, dass die definierten Wertschöpfungsstufen und relevante Quellen betrachtet wurden. Die NORMA Group hat im Rahmen der Wesentlichkeitsanalyse ihre Standorte und Geschäftsaktivitäten nicht systematisch hinsichtlich lokaler Themen Umweltverschmutzung, Wasserressourcen sowie Ressourcennutzung und Kreislaufwirtschaft analysiert und auch keine Bewertung der Vermögenswerte und Aktivitäten durchgeführt. Diese Analysen wurden stattdessen auf Gruppenebene durchgeführt.

Für Auswirkungen wurden Ausmaß und Umfang (bei negativen zusätzlich Unabänderlichkeit) zur Bestimmung des Schweregrads herangezogen. Bei potenziellen Auswirkungen wurde zusätzlich die Wahrscheinlichkeit bewertet, wobei bei potenziellen Menschenrechtsverstößen der Schweregrad der Auswirkungen Vorrang vor der Wahrscheinlichkeit hat. Für die finanzielle Wesentlichkeit wurden Wahrscheinlichkeit und Ausmaß des finanziellen Effekts bewertet. Abhängigkeiten und Zusammenhänge zwischen Auswirkungen, Risiken und Chancen wurden in der Wesentlichkeitsanalyse nicht explizit betrachtet. Eine Auswirkung, ein Risiko oder eine Chance gilt als wesentlich, wenn die von der NORMA Group definierte Schwelle erreicht wird.

Grundlage der initialen Wesentlichkeit war eine Themenliste aus ESRS-Unterthemen, ergänzt um unternehmensspezifische Aspekte. Insgesamt wurden 46 Unterthemen definiert, den Handlungsfeldern Umwelt, Soziales und Governance zugeordnet und den relevanten Wertschöpfungsstufen zugewiesen. Für die Identifizierung und Bewertung der IROs wurden interne und externe Stakeholder einbezogen. Dazu wurden 14 Stakeholder-Gruppen identifiziert, darunter interne Experten aus Corporate Responsibility, QEHS und Integrity sowie externe Gruppen wie Kunden, Lieferanten und NGOs. Die Einbindung erfolgte in zwei Phasen: qualitative Interviews mit internen Stakeholdern und eine schriftliche Befragung zur quantitativen Bewertung durch interne und ausgewählte externe Stakeholder.

Die Ergebnisse wurden vom Lenkungsausschuss geprüft und vom Top-Management freigegeben. Im Rahmen des Prozesses der Validierung waren der Lenkungsausschuss sowie die Arbeitsgruppen des Nachhaltigkeitsmanagement-Programms involviert. Die Prüfung und Bestätigung sind Teil des internen Kontrollverfahrens der NORMA Group.

Aktualisierung der Wesentlichkeitsanalyse im Geschäftsjahr 2025

Die Ergebnisse der doppelten Wesentlichkeitsanalyse sowie die Bewertung der wesentlichen IROs werden jährlich revalidiert und der Prozess der doppelten Wesentlichkeitsanalyse wird bei Bedarf, wie beispielsweise bei Änderungen im Geschäftsmodell, erneut durchgeführt. Dabei werden in Zukunft Schnittstellen zu weiteren relevanten Prozessen wie dem Risikomanagement-Prozess oder anderen Due-Diligence-Prozessen der verschiedenen Fachbereiche in den Prozess integriert. Die Aktualität der wesentlichen IROs wird innerhalb des laufenden Berichtsjahres überprüft, wobei interne Experten sowie die jeweiligen Fachbereiche die IROs evaluieren. Bei Bedarf werden die Ergebnisse und betroffenen IROs entsprechend angepasst und vom Lenkungsausschuss und damit auch von der CFO freigegeben.

Im Geschäftsjahr 2025 hat sich die NORMA Group aufgrund des konzernweiten Transformationsprozesses und der Umstrukturierungen dazu entschieden, die initiale Wesentlichkeitsanalyse zu aktualisieren, um mögliche Einflüsse hiervon zu identifizieren sowie die Qualität und Aussagekraft der Ergebnisse weiter zu steigern.

Die Aktualisierung der Analyse erfolgte auf Basis der Erkenntnisse aus der ersten Durchführung sowie unter Einbeziehung von Best Practices aus den ersten veröffentlichten CSRD-Berichten. Die Ergebnisse der vorherigen Analyse wurden systematisch geprüft und als Ausgangspunkt genutzt. Zudem wurden die damals involvierten Stakeholder identifiziert und auf ihre fortbestehende Relevanz hin überprüft.

Die durchgeführten Online-Befragungen im Rahmen der initialen Wesentlichkeitsanalyse hatten nur geringe Rücklaufquoten und wenig verwertbare Ergebnisse erbracht. Dementsprechend erwies sich die Einbindung interner Stakeholder über qualitative Workshops als deutlich wirkungsvoller und wurde als geeigneterer Ansatz erkannt. Ein Kernteam aus Mitarbeitenden verschiedener Fachbereiche der NORMA Group führte zunächst eine erste Bewertung der wesentlichen Auswirkungen, Risiken und Chancen (IROs) durch. Um eine umfassende Betrachtung zu ermöglichen, organisierte die NORMA Group Workshops und offene Diskussionsrunden mit internen Expertinnen und Experten, die regelmäßig im Austausch mit externen Stakeholdern wie Kunden oder Investoren stehen. Auf diese Weise konnten externe Perspektiven indirekt in den Prozess einfließen.

In den Workshops diskutierte das Kernteam unterschiedliche Sichtweisen, prüfte Einschätzungen aus den Vorjahren und ergänzte sie um neue Themen mit erstmaligen Bewertungen. In einem iterativen Prozess wurden die Auswirkungen, Risiken und Chancen analysiert und final bestimmt. Eine Ersteinschätzung des Vorstands diente dabei als strategischer Kompass und half, die Analyse im Einklang mit der Unternehmensausrichtung durchzuführen. Darüber hinaus wurden die zu bewertenden Auswirkungen, Risiken und Chancen gemäß den Anforderungen der ESRS dahingehend analysiert, an welcher Stelle innerhalb der Wertschöpfungskette sie auftreten und in welchem zeitlichen Horizont sie relevant sind. Damit soll sichergestellt werden, dass nicht nur die Auswirkungen berücksichtigt werden, die direkt aus den eigenen Geschäftstätigkeiten der NORMA Group resultieren, sondern ebenso die der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette. Der gesamte Bewertungsprozess wurde abschließend vom Kernteam validiert.

Die softwaregestützte Einzelbewertung der Auswirkungen, Risiken und Chancen erfolgte durch das Corporate Responsibility Team, um eine nachvollziehbare und strukturierte Bewertung sicherzustellen. Hierbei wurden bestehende Risiken aus dem unternehmensweiten Risikomanagement berücksichtigt, um eine konsistente und integrierte Bewertung sicherzustellen. Abschließend wurden die Ergebnisse von CFO und COO validiert und anschließend vom Lenkungsausschuss freigegeben.

Im Zuge der Aktualisierung wurde das Bewertungsmodell einschließlich der Wesentlichkeitsschwelle erneut überprüft, um die Entscheidungsrelevanz sicherzustellen. Dabei wurde eine Schwelle festgelegt, die im mittleren Bereich der Bewertungsskala angesiedelt ist, um zwischen den Themen differenzieren zu können. Diese Einordnung kennzeichnet eine Entscheidungsrelevanz im Gesamtvergleich und entspricht aus Sicht der NORMA Group sowohl der inhaltlichen Bedeutung der betrachteten Themen als auch der angestrebten Aussagekraft der Wesentlichkeitsanalyse.

Änderungen im Vergleich zum Vorjahr

Die ursprünglich indikativ bewerteten Auswirkungen, Risiken und Chancen in den Bereichen „Betroffene Gemeinschaften2 (ESRS S3) und „Umweltverschmutzung“ (ESRS E2) wurden im Rahmen einer vertieften Analyse unter Einbindung fachlicher Expertise sowie des Vorstands erneut geprüft. Auf Basis dieser Neubewertung gelten sie nicht als wesentlich für die NORMA Group.

Durchführung der Klimarisiken- und Vulnerabilitätsanalyse (IRO-1)

Nach den Anforderungen der Konformitätskriterien innerhalb der EU-Taxonomie wurde im Geschäftsjahr 2024 eine Klimarisiken- und Vulnerabilitätsanalyse bezogen auf die Wirtschaftsaktivitäten CCM 3.18 und CCM 5.1 durchgeführt. Unter der Annahme, dass die meisten Wirtschaftsaktivitäten der NORMA Group eine erwartete Lebensdauer von mehr als zehn Jahren haben, wurde die Bewertung physischer Klimarisiken vorgenommen.

Um eine wirtschaftliche Herangehensweise zu ermöglichen, wurde von der Fachabteilung Corporate Responsibility eine Analyse der größten prozentualen taxonomiefähigen Umsatzanteile aus dem Geschäftsjahr 2023 vorgenommen und wurden dadurch drei Water-Management-Gesellschaften und zwei Gesellschaften mit den höchsten Umsatzanteilen an E-Mobility-Produkten ausgewählt.

Zur Ermittlung der Klimarisiken wurden Koordinaten der ausgewählten Standorte verwendet, um mögliche Klimarisiken am Standort zu ermitteln. Anhand eines Climate Excellence Tools wurden die potenziellen Klimarisiken ausgewertet. Die Auswertung erfolgte im Einklang mit dem Vorsorgeprinzip. So wurde das IPCC-Szenario mit hohen Emissionen (SSP5-8.5) verwendet, um die klimabedingten Gefahren zu ermitteln, die eine Bedrohung für die Wirtschaftsaktivitäten bei NORMA darstellen. Die Projektionen der Klimamodelle, die im jüngsten IPPC-Bewertungsbericht (AR6) für das SSP5-8.5-Szenario verwendet wurden, dienten dazu, zu bestimmen, welche Gefahren wesentliche Auswirkungen auf die einzelnen Standorte und Geschäftstätigkeiten von NORMA haben werden. Die Analyse basierte auf Daten aus Klimaszenarien bis zum Jahr 2050 und umfasst keine anderen Zeithorizonte.

Die potenziellen Klimarisiken wurden im Anschluss innerhalb von Interviews mit den Standortleitern und weiteren Experten validiert und vorhandene Anpassungsmaßnahmen wie zum Beispiel Drainagesysteme bei Hochwasserrisiken abgefragt und dokumentiert.

Durch die bereits vorhandenen und als geeignet eingestuften Abstellmaßnahmen an den ausgewählten Standorten in den USA, China, Indien, Polen und Malaysia wurden keine neuen Maßnahmen festgelegt und wurde kein Adaptionsplan entwickelt, da hierfür keine Notwendigkeit festgestellt wurde.

Über die zuvor beschriebene Klimarisiken- und Vulnerabilitätsanalyse hinaus wurden im Geschäftsjahr 2025 keine weiteren Analysen im Zusammenhang mit Klimarisiken durchgeführt. Die verwendeten Klimaszenarien werden nicht in den finanziellen Jahresabschlüssen berücksichtigt. Die vorhandenen Prozesse sollen in den nächsten Jahren erweitert werden.

Durchführung der Geschäftsmodell-Resilienzanalyse

Die ermittelten wesentlichen Auswirkungen, Risiken und Chancen der NORMA Group wurden im Geschäftsjahr 2025 auch im Hinblick auf die Widerstandsfähigkeit ihrer Strategie und ihres Geschäftsmodells nach ESRS geprüft. Dabei wurden die Eintrittswahrscheinlichkeiten geprüft, unter anderem bezogen auf Klimarisiken, Menschenrechtsrisiken oder mögliche Verbote von relevanten Stoffen. Basierend auf dieser Resilienzanalyse kommt das Unternehmen zu dem Entschluss, dass sich die Strategie bezüglich ihrer Auswirkungen, Risiken und Chancen aus nichtfinanziellen Belangen und in Bezug auf das Geschäftsmodell als resilient erweist. Die bereits eingeleiteten Maßnahmen sowie zukünftige Mitigations- und Anpassungsmaßnahmen sind in der Strategie berücksichtigt und stehen im Einklang mit dem Geschäftsmodell des Unternehmens.

Die identifizierten wesentlichen Themen wurden den Themengebieten „Umweltschutz, Schutz von Arbeitskräften, integre Unternehmensführung und Produktqualität“ zugeordnet und sind in den folgenden Abschnitten beschrieben.

Legende

Diese Inhalte sind Teil des nichtfinanziellen Konzernberichts und unterlagen einer gesonderten Prüfung mit begrenzter Sicherheit („limited assurance“).